Zeige Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Hausverwalter untätig bei Wasserschäden

  1. #1
    Registriert seit
    02.09.2011
    Ort
    Vorarlberg
    Beiträge
    605

    Standard Hausverwalter untätig bei Wasserschäden

    Liebe Kollegen,

    ich habe folgenden Fall zu lösen und freue mich auf Eure Anregungen:

    Mdt ist Wohnungseigentümer in einer größeren Wohnungseigentumsanlage. Dass eine Dachsanierung im Bereich der Wohnung unseres Mdt (und nur dort!) dringend notwendig wird, ist seit zwei Jahren klar.

    Es lagen Anfang 2016 drei Anbote für eine Dachsanierung vor, von denen seitens des Hausverwalters über ein Jahr lang keines angenommen wurde (trotz Empfehlung eines dieser Angebote durch die Mehrheit der Wohnungseigentümer an den Verwalter auf einer Unterschriftenliste Anfang 2016). Diese Anbote sind mittlerweile nicht mehr aufrecht (nona).

    Als dann der nächste Winter (der heurige) bevorstand, wurde es wieder hektisch, ein weiteres Angebot wurde (von dem damals empfohlenen Professionisten) eingeholt, das jetzt aber deutlich mehr kostete (wg Massenänderung).

    Jetzt weigert sich die Hausverwaltung, diesen Professionisten zu beauftragen, steht auf dem Standpunkt, sie wolle erst wissen, warum das soviel 0 teurer ist. Derweil saftelt es schon schön in die Wohnung unseres Mandanten hinein, ein Türstock ist schon voller Wasser. Außerdem behauptet die Hausverwaltung, im Angebot sei von einer Wärmedämmung die Rede, die nicht notwendig sei und ausschließlich unserem Mdt zugute komme. Daher könnten diese Kosten nicht übernommen werden. Getan hat die Hausverwaltung trotzdem noch nichts, um die Arbeiten zu beauftragen (weder mit noch ohne Dämmung).

    Aufgrund der Untätigkeit der Hausverwaltung ist auch eine Förderung verlorengegangen. Dass das droht, wußte die Hausverwaltung.

    Ich hätte folgende Ideen:

    1. Antrag auf Abberufung des Verwalters nach § 21 Abs 3 WEG.
    2. eV auf Abberufung des Verwalters
    3. Durchführung der Arbeiten über Beauftragung und Bezahlung durch unseren Mandanten und Rückforderung nach § 1042 ABGB von der Wohnungseigentümergemeinschaft.
    4. eV auf Durchführung der Sanierungsarbeiten
    5. Schadenersatzklage gegen Hausverwalter nach §§ 1293, 1298, 1299 ABGB wg Verlust der Förderung


    Hat jemand dazu Anregungen, Erfahrungen oder Tipps?

    Beste Grüße und vielen Dank im Voraus
    Flx

  2. #2
    Registriert seit
    12.08.2011
    Beiträge
    83

    Standard

    Ich würde wohl nach § 52 Abs 1 Z 6 WEG (Durchsetzung der Pflichten des Verwalters) vorgehen da es sich bei der Behebung der von dir geschilderten Schäden wohl um ordentliche Verwaltung handelt.
    "Wie das Gericht mal was in die Hand nimmt, stehts schlimm." - Der brave Soldat Schwejk

  3. #3
    Registriert seit
    08.09.2008
    Ort
    Wien
    Beiträge
    115

    Standard

    Also ob bzw wie man den Verwalter rausschmeißt, kann man sich mMn immer noch überlegen, primär wirds jetzt wohl darum gehen, dass der Schaden repariert wird.

    Im ersten Schritt sollte man in den Wohnungseigentumsvertrag schaun, was hier zu Sanierungsarbeiten/etc. geregelt ist.

    Rein nach dem WEG würde es folgendermaßen ausschaun: Nach dem Sachverhalt liegt jedenfalls ein ernster Schaden des Hauses vor, der gem § 28 Abs 1 Z 1 WEG unabhängig davon, ob es jetzt allgemeine Teile oder die WE-Einheit selbst betrifft, in die Zuständigkeit der Eigentümergemeinschaft (und damit - untechnisch gesprochen - die Hausverwaltung) fällt. Gem § 30 Abs 1 Z 1 WEG gibts dafür ein Minderheitenrecht des einzelnen WE-Eigentümers, der mit außerstreitigem Antrag (§ 52 Abs 1 Z 3 WEG) durchzusetzen ist. Gem § 30 Abs 3 WEG kann bei Gefahr im Verzug auch jeder Wohnungseigentümer selbst die entsprechenden Maßnahmen setzen.

    Ganz egal, was du letztlich machst, immer akribisch die Zuständigkeitsabgrenzung streitig <-> außerstreitig prüfen, dazu gibts in dem Bereich jede Menge Stolperfallen.

  4. #4
    Registriert seit
    02.09.2011
    Ort
    Vorarlberg
    Beiträge
    605

    Standard

    Danke für den Hinweis auf § 30 Abs 3 WEG! Da war ich mir nicht sicher gewesen, ob das nach § 1042 ABGB geht, aber aufgrund des von mir bislang übersehenen § 30 Abs 3 WEG in dem Fall müßte es über die eine oder über die andere Norm jedenfalls machbar sein. Danke!

    Wasserschäden sind nach der Rsp eigentlich immer ernste Schäden, das hat auch meine Jud-Recherche ergeben. Habe jetzt aber auch eine E gefunden, in der sich der HV nicht um die Behebung eines Wasserschadens gekümmert hat und in der das ein Abberufungsgrund war (5 Ob 293/07k), wobei in der E nicht einmal von einer Substanzschädigung des Hauses die Rede ist, sondern nur vom enormen Wasserverbrauch aufgrund des nicht behobenen Wasserschadens. Dann müssen aus diesem Grund eingetretene Substanzschäden ja arg a minori ad maius erst recht zur Abberufung berechtigen.

    Und Danke für den Hinweis auf die Abgrenzung außerstreitig/streitig. Mein Problem ist eher außerstreitig zu lösen, das war mir schon klar, aber der Hinweis an sich ist Gold wert!

    Hatte mit WEG in der Praxis als RAA bisher nie etwas zu tun, aber es ist auf jeden Fall sehr interessant und werde mich da jetzt richtig reinvertiefen - auch außerhalb des zur Lösung des derzeitigen Falles Notwendigen.

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Lesezeichen

Forumregeln

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •