Zeige Ergebnis 1 bis 14 von 14

Thema: Verwenden von fremden Daten im Internet - Ein Fall der Täuschung §108 StGB?

  1. #1
    Registriert seit
    05.10.2018
    Ort
    Tirol
    Beiträge
    8

    Standard Verwenden von fremden Daten im Internet - Ein Fall der Täuschung §108 StGB?

    Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Eine Mandantin von mir die sich in einem laufenden Scheidungsverfahren befindet, bekommt seit kurzer Zeit Kontaktanfragen von Männern auf ihre E-Mail Adresse gesendet. Es scheint dahinter eine Datingplattform zu stecken welche die Messages der Herren an meine MD weiterleitet.

    Da sich meine Mandantin auf keiner Datingplattform angemeldet hat, kann vermutet werden, dass der noch Ehegatte meiner Mandantin unter Verwendung ihrer E-Mail Adresse ein Profil erstellt hat. Es ist zu vermuten, dass der Ehegatte im Verfahren behaupten wird, dass meine Mandantin während aufrechter Ehe über diese Plattform nach sexuellen Kontakten suchte und daher eine ehewidriges Verhalten an den Tag legt.

    Abgesehen vom Delikt des Prozessbetruges, sollte der Ehegatte dies im Prozess behaupten, möchte ich nun gerne von euch Wissen: Ist die Anmeldung auf einer Datingplattform unter dem Namen einer anderen Person (welche real existiert) mit der Absicht ihr Ansehen zu schädigen, dass Delikt des §108 StGB oder welches Rechtsgut wird durch das obig geschilderte Verhalten verletzt?

    Ich bedanke mich im Voraus für eure Hilfe
    EURE GERDA

  2. #2
    Registriert seit
    19.09.2017
    Ort
    Rankweil
    Beiträge
    55

    Standard

    kann unter "Stalking" fallen

    Beharrliche Verfolgung

    § 107a. (1) Wer eine Person widerrechtlich beharrlich verfolgt (Abs. 2), ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.

    (2) Beharrlich verfolgt eine Person, wer in einer Weise, die geeignet ist, sie in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen, eine längere Zeit hindurch fortgesetzt

    1. ihre räumliche Nähe aufsucht,

    2. im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines sonstigen Kommunikationsmittels oder über Dritte Kontakt zu ihr herstellt,

    3. unter Verwendung ihrer personenbezogenen Daten Waren oder Dienstleistungen für sie bestellt oder

    4. unter Verwendung ihrer personenbezogenen Daten Dritte veranlasst, mit ihr Kontakt aufzunehmen.

    (3) Hat die Tat den Selbstmord oder einen Selbstmordversuch der im Sinn des Abs. 2 verfolgten Person zu Folge, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

  3. #3
    Registriert seit
    26.06.2009
    Ort
    Wien
    Beiträge
    5.180

    Standard

    Wenn das eine kostenpflichtige Agentur ist, müßte sich ja der Zahler herausfinden lassen, wenn er nicht bar am Bankschalter gezahlt hat.

    Was strafrechtlich noch dran ist, äußere ich mich mangels Fachkompetenz lieber nicht. Aber es liegt ja auch eine Täuschung gegenüber dem Geschäftspartner "Partnerinstitut" vor; ich kann mir nicht vorstellen, daß das erlaubt ist.
    Wer die Wahrheit im Wein sucht, darf nicht nach einem Achterl schon aufgeben.

  4. #4
    Registriert seit
    30.05.2012
    Ort
    Wien
    Beiträge
    1.778

    Standard

    Zitat Zitat von Firmian Beitrag anzeigen
    Aber es liegt ja auch eine Täuschung gegenüber dem Geschäftspartner "Partnerinstitut" vor; ich kann mir nicht vorstellen, daß das erlaubt ist.
    Ich gehe nicht davon aus, dass es sich hier um ein kostenpflichtiges und damit einigermaßen seriöses Angebot à la Parship etc. handelt, sondern wohl eher einer der (zumindest für Frauen) kostenlosen Seiten. Abgesehen davon, dass es such um ein Ermächtigungsdelikt handelt, wäre auch zu untersuchen, welcher bezifferbare Schaden entstanden ist? Diese Seiten finanzieren sich regelmäßig über Werbung, ob die angegeben Daten der Teilnehmer der Wahrheit entsprechen spielt dafür mE keine besondere Rolle.

    Vielversprechender wäre wohl in der Tat beharrliche Verfolgung vulgo "Stalking", wie schon erwähnt.
    Das in der Verfassung geschützte Eigentum hat den Nachteil, dass Eigentümer sehr stark darüber verfügen können. (Michael Ludwig, SPÖ-Stadtrat in Wien)

  5. #5
    Registriert seit
    18.06.2010
    Ort
    Wien
    Beiträge
    15

    Standard

    Und rein praktisch - wenn nicht ohnedies bereits geschehen - würde ich der Datingplattform auch möglichst rasch und vor entsprechendem Vorbringen der Gegenseite ein Schreiben schicken, dass der Mandantin die Plattform unbekannt ist und man die unerwünschten Zusendungen einstellen soll. Gleichzeitig könnte man auch nach dem Ersteller des Profils fragen.

    Das Ganze dient v.a. auch als Beweismittel für das laufende Verfahren, wenn die andere Verfahrenspartei Unrichtiges vorbringt.

  6. #6
    Registriert seit
    01.09.2006
    Ort
    Wien
    Beiträge
    2.463

    Standard

    Zitat Zitat von Gerda76 Beitrag anzeigen
    Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Eine Mandantin von mir die sich in einem laufenden Scheidungsverfahren befindet, bekommt seit kurzer Zeit Kontaktanfragen von Männern auf ihre E-Mail Adresse gesendet. Es scheint dahinter eine Datingplattform zu stecken welche die Messages der Herren an meine MD weiterleitet.

    Ich bedanke mich im Voraus für eure Hilfe
    EURE GERDA
    Die Suppe ist ein wenig dünn. Es ist wahrscheinlicher, dass irgendwer die E-Mail Adresse auf ein Männerklo (oder das digitale Pendant dazu) aufgeschrieben hat, als unter falschen Namen bei einer Plattform einzuchecken. Die Plattformen validieren alle den Registrierenden mit Bestätigungsemail.

    Deine Mandantin soll die E-Mailadresse wechseln oder die Don Juans anschreiben und fragen, wo sie die Adresse her haben. Ich würd bei denen ansetzen, die Plattform eruieren und bei der Plattform herausfinden, wer der Schuldig ist. Die Beweispflicht liegt bei Deiner Mandantin.

    ... und die soll froh sein, dass die Ehe aus ist, wenn sie ihrem Ex eine derartig perfide Vorgehensweise zutraut.
    No future on a dead planet!

  7. #7
    Registriert seit
    06.06.2012
    Ort
    Graz
    Beiträge
    63

    Standard

    Zitat Zitat von lexwolf Beitrag anzeigen
    ... Die Plattformen validieren alle den Registrierenden mit Bestätigungsemail.
    ..an sich kein Problem. X-beliebige E-Mail-Adresse angelegt; bei der Plattform registriert samt Bestätigung und danach für alle eingehenden E-Mails eine Weiterleitung zur Adresse der Mandantin einrichten.

  8. #8
    Registriert seit
    26.06.2009
    Ort
    Wien
    Beiträge
    5.180

    Standard

    ...wenn dann keine Bestätigung von dort erfolgen muß. Wenn man wüßte, welche Plattform es ist, könnte man das mal ausprobieren.

    Aber wie schon Vorredner sagten, einfach mal einen der Herren fragen, von wo er die Daten hat.
    Wer die Wahrheit im Wein sucht, darf nicht nach einem Achterl schon aufgeben.

  9. #9
    Registriert seit
    26.06.2009
    Ort
    Wien
    Beiträge
    5.180

    Standard

    Wer weiß, vielleicht ist das ja alles der Noch-Ehemann selbst, der die Mails schreibt, um Indizien zu sammeln, falls sie antwortet.
    Wer die Wahrheit im Wein sucht, darf nicht nach einem Achterl schon aufgeben.

  10. #10
    Registriert seit
    25.11.2003
    Ort
    1030 Wien
    Beiträge
    11.899

    Standard

    Zitat Zitat von gefight Beitrag anzeigen
    ..an sich kein Problem. X-beliebige E-Mail-Adresse angelegt; bei der Plattform registriert samt Bestätigung und danach für alle eingehenden E-Mails eine Weiterleitung zur Adresse der Mandantin einrichten.
    Wird man dann aber aus dem Header leicht herauslesen können ...

  11. #11
    Registriert seit
    26.06.2009
    Ort
    Wien
    Beiträge
    5.180

    Standard

    Ach so ist es gemeint.... Ich verstand erst, in den Stammdaten die Adresse zu ändern; vielleicht geht das ja auch, ohne daß da eine Bestätigungsmail rausgeht.
    Wer die Wahrheit im Wein sucht, darf nicht nach einem Achterl schon aufgeben.

  12. #12
    Registriert seit
    01.09.2006
    Ort
    Wien
    Beiträge
    2.463

    Standard Täter-Opfer Umkehr - Wer etwas behauptet, muss es auch beweisen

    Zitat Zitat von Firmian Beitrag anzeigen
    ...wenn dann keine Bestätigung von dort erfolgen muß. Wenn man wüßte, welche Plattform es ist, könnte man das mal ausprobieren.

    Aber wie schon Vorredner sagten, einfach mal einen der Herren fragen, von wo er die Daten hat.
    Ich würde als aggressiver Gegenvertreter mal flugs behaupten, dass sich die EX-Frau die Emails selbst geschrieben hat bzw. die Konten bei den Dating-Plattformen selbst angelegt hat, so lange der RA der EX-Frau seiner Beweislast nicht nachkommt (und das auch gar nicht ernsthaft versucht).
    Geändert von cbk (02.07.2019 um 12:01 Uhr)
    No future on a dead planet!

  13. #13
    Registriert seit
    25.11.2003
    Ort
    1030 Wien
    Beiträge
    11.899

    Standard

    Zitat Zitat von lexwolf Beitrag anzeigen
    Ich würde als aggressiver Gegenvertreter mal flugs behaupten, dass sich die EX-Frau die Emails selbst geschrieben hat ...
    Ich glaube Du hast es mißverstanden - der Noch-Mann könnte im Scheidungsverfahren behaupten, dass sich die Frau bei so einer Plattform angemeldet hat. Die Frau könnte dann einfach sagen: das stimmt nicht. Er müsste dann Beweise vorlegen oder sie fragen, ob sie Zusendungen erhält, was sie wiederum nicht abstreiten kann, wenn sie bei der Wahrheit bleiben will. In jedem Fall unangenehm.

    P.S.
    Um welche Plattform handelt es sich denn?

  14. #14
    Registriert seit
    01.09.2006
    Ort
    Wien
    Beiträge
    2.463

    Standard

    Zitat Zitat von cbk Beitrag anzeigen
    …..

    P.S.
    Um welche Plattform handelt es sich denn?
    Klingt nach C-Date.

    P.S. Wenn Ihr Spaß haben wollt Leute, dann legt Euch ein Profil als Frau auf diesen Datingseiten an und schauts Euch die Männer an, die dort rumkurven
    No future on a dead planet!

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Lesezeichen

Forumregeln

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •